Einleitung

Es kommt immer mal wieder vor, dass man einen 230V Anschluss im Camper braucht (z.B. für Laptop-Netzteil, Kamera-Ladegerät, Fön, Staubsauger…). Im Westfalia Columbus 540d sind dafür drei 230V Steckdosen verbaut. Eine unter dem Esstisch, eine an der Schalterleiste zwischen Bett und Küche und eine im Heckstauraum. Leider führen diese Steckdosen nur Strom, wenn der Camper am Landstrom angesteckt ist. Da wir ja, wie aus den anderen Artikeln hervorgeht, alles daran setze ein autarkes Fahrzeug zu bekommen, passt das natürlich nicht ins Konzept. Ein Wechselrichter muss her!

Der Wechselrichter

Ich habe schon ein paar Mal meine Suche dazu abgebrochen, weil es einfach zu viele Geräte am Markt gibt und es wirklich schwer fällt, herauszufinden, welcher Wechselrichter der Richtige ist. Also habe ich mir ein paar „must have“ Eigenschaften überlegt, um die Auswahl etwas einzuschränken:

  • 230V reiner Sinus: etwas teurer aber die angeschlossenen Geräte laufen besser.
  • Fernbedienung mit Kabel: Ich möchte unbedingt über der Tür (an meiner Schaltzentrale, an der ich auch alles andere steuern kann) das Gerät ein- und ausschalten können. Auf keinen Fall aber unter dem Sitz nach einem Schalter suchen. Auch kabellose Fernbedienungen fand ich nicht so sinnvoll, da sie eigentlich nur rumfliegen und wenn man sie braucht meistens nicht zu finden oder leer sind. Außerdem will ich auch beim Aussteigen sehen können ob das Gerät ausgeschaltet ist.
  • 1000W Dauerleistung: Wenn ich einen Föhn mit 600W betreibe, brauche ich etwas Puffer um die hohen Ströme (3-5 mal der Nennleistung) abfangen zu können, ohne dass die Sicherung im Gerät durchbrennt. Mehr als 1000W sind für uns nicht wirklich sinnvoll, da wir nur 200Ah Batteriekapazität haben. 1000W würden meine Batterie sowieso schon in einer Stunde auf 50% leer saugen.
  • Maße die unter meinen Fahrersitz passen: Hier befindet sich bei uns auch noch ein zusätzlicher Wärmetauscher (Teil des Winterpakets, neben der Fußbodenheizung). Weshalb das Gerät nicht riesig sein darf. Nur als Anmerkung: Die Batterien sind unter dem Beifahrersitz hier ist unsere ganze andere Elektronik und daher kein Platz mehr für einen Wechselrichter. Der Fahrersitz ist der nächstmögliche Verbauort, der noch nicht zu weit weg ist von den Batterien.

Das hat die Auswahl schon eingeschränkt. Ich habe mich für ein Modell von GIANDEL mit 1000W (2000W Peak) entschieden, da das Gerät alles was ich brauche an Bord hat und sehr gut bewertet ist. Außerdem finde ich den Preis akzeptabel.

Einbau

Zunächst habe ich das Gerät unter dem Fahrersitz platziert. Das erfordert etwas Geschick, ein paar Teile mussten vorübergehend abgeschraubt oder leicht verschoben werden aber am Ende war das Gerät fest unter dem Sitz verbaut.

Verkabelung:

Mir war klar, wenn ich ein Wechselrichter einbaue, dann richtig! Ich will dafür keine eigene Steckdose haben, die irgendwo nachträglich eingebaut ist und nur mit dem Wechselrichter funktioniert, während die drei weitere Steckdosen im Camper nur mit Landstrom funktionieren. Wenn ich schon drei Steckdosen im Auto habe, dann sollen die auch mit dem Wechselrichter und mit Landstrom versorgt werden können. Ab Werk ist das Wechselstromnetz im Westfalia Columbus wie folgt verkabelt:

Würde ich jetzt einfach den 230V Ausgang vom Wechselrichter an die Hauptsicherung anklemmen, hätte ich 2 fatale Probleme:

  • Wenn ich mal den Wechselrichter einschalte und gleichzeitig der Camper am Landstrom hängt, würden 2 versetze Sinuswellen zu einem Kurzschluss führen.
  • Am Landstrom hängt auch das Netzladegerät. D.h. ich würde mit dem Wechselrichter 230V aus der Batterie erzeugen, was wiederum das Netzladegerät aktiviert, welches die Batterie auflädt. Entweder habe ich jetzt ein „Perpetuum mobile“ erfunden oder eine Heizung, die meinen Batteriestrom sinnlos verbläst. Ich denke eher Letzteres.

Um das erste Problem zu lösen, verbaut man eine Netzvorrangschaltung oft nur NVS genannt. Diese sorgt dafür, dass immer nur eine Spannungsquelle von Beiden am Ausgang anliegt. Man kann auch bestimmen, welche die bevorzugte Spannungsquelle ist. In meinem Fall natürlich der Landstrom. Wenn man schon mal welchen hat, sollte man ihn auch verwenden.

Das zweite Problem löse ich damit, dass ich das Ladegerät nicht an den Ausgang der Netzvorrangschaltung anschließe sondern nur an den Landstrom. Damit kann der Wechselrichter zwar die Steckdosen versorgen nicht aber das Ladegerät aktivieren. Das Ladegerät ist also genauso angeschlossen wir vorher nur die Steckdosen schalten nach Verfügbarkeit zwischen Landstrom und Wechselrichter um. Ist beides verfügbar, wird Landstrom priorisiert.

TIPP: An der Hauptsicherung sind 4 Kabel angeschlossen, die alle gleich aussehen. Eins ist das Netzladegerät und die anderen drei sind die Steckdosen (Essbereich, Küche und Kofferraum). Um herauszufinden, welches Kabel welches ist, kann man einfach am Stecker vom Netzladegerät Nullleiter und Phase mit einem kleinen Draht überbrücken und mit dem Multimeter prüfen, welches der vier Kabel jetzt kurzgeschlossen ist.

Die Kabel vom Wechselrichter zur Batterie sollten aufgrund der hohen Ströme ca. 160A (bei 2000W) sehr dick und sehr kurz sein. Da ich an der Länge von ca. 70cm nicht viel ändern kann (außer darauf zu achten einen möglichst kurzen Weg zu nehmen) kann ich nur den Querschnitt des Kabels beeinflussen. Ich habe zwei 25mm² Kabel mit  Ringkabelschuhen verlegt. Die beiden mitgelieferten Kabel wirkten etwas billig und waren ca. 15cm zu kurz. Die Kabel kann man mit etwas Kraft unter dem Boden zur Aufbaubatterie verlegen (das geht am besten, wenn man dem Kabel von der Starter- zur Aufbaubatterie folgt. Hierzu einfach den Batterieschacht unter dem Fußbereich der Fahrerseite öffnen)

Westfalia Columbus 540d Fahrerbereich Batteriekabel

Jetzt muss man darauf achten, die Kabel nicht einfach irgendwo anzuklemmen, da keine ab Werk an der Aufbaubatterie verbaute Sicherung solche Ströme überleben würde. Das Minuskabel habe ich direkt mit dem 100A Smart Shunt verbunden, da dieser 150A für 15 min und 450A für 7 min aushält. Ich würde den Strom aber nicht über den von Westfalia ab Werk verbauten Shunt (zur Versorgung der Zentraleinheit mit Batterieinformationen) laufen lassen. Der sieht nicht so aus als würde er mit so hohen Strömen zurechtkommen. Das Pluskabel habe ich hinter eine 250A Sicherung direkt an den Pluspol der Batterie angeschlossen. Damit ist das Gerät nicht am Hauptschalter (unter dem Fahrersitz) angeschlossen, da dieser Stromkreis mit nur 40A abgesichert ist und auch nicht an unserer Votronic Switch Unit, da diese nur 40A Schalten kann. Da der Wechselrichter einen Ruhestrom von 0,5A hat sollte man darauf achten das Gerät beim Abstellen des Fahrzeuges wirklich auszuschalten.

Wie die Geräte Verkabelt sind kann man auf meiner schematischen Zeichnung sehen.

220V System Westfalia Columbus 550D Wohnmobil Camper mit Wechselrichter und Netzvorrangschaltung NVS

Wenn man das Schwarze Blech im Boden der WC-Serviceöffnung abschraubt (darunter befindet sich die Heizung) kommt man super an die Kabel und kann mit Hilfe einer Einzugspirale das Kabel vom Wechselrichter bis zur Netzvorrangschaltung verlegen.

Einbau der Fernbedienung

Das Kabel zur Fernbedienung beim GIANDEL Wechselrichter ist ca. 5m lang und reicht daher problemlos bis zu meinem Steuercockpit über der Schiebetür. Da ich hier schon die Anzeige vom Batteriecomputer verbaut habe, weiß ich, dass da noch mehr Platz ist. Und Voilá, ein weiteres Mitglied in meiner Schalterfamilie.

Westfalia Columbus 540d Zentralsteuerung

Fazit

Als erstes habe ich unseren Camper einmal gründlich mit meinem Hausstaubsauger (600W Leistung) gereinigt und das Ganze mit der Solaranlage in 15 min wieder aufgetankt :-). Ich glaube ich hatte noch nie so viel Freude beim Staubsaugen.

Hinweis: Auch wenn ich das hier sehr einfach beschreibe, handelt es sich um ein Umbau am 230V Netz des Camping-Vans. Man sollte genau wissen, was man macht und sonst einen Fachmann zu Rate ziehen.

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