Vergleich verschiedener Ansätze zur Wasseraufbereitung im Wohnmobil

Nach längerer Beschäftigung mit dem Thema Trinkwasseraufbereitung im Wohnmobil komme ich zu dem Schluss, dass drei verschiedene Ansätze grundsätzlich in Frage kommen:

  • Silberionen
  • UV-C Strahlung
  • Ozon

Silberionen

Die Aufbereitung mit Silberionen ist auf jeden Fall die einfachste und kostengünstigste Lösung. Nach einiger Recherche im Internet bin ich für mich aber zu dem Schluss gekommen, dass das Verwenden von Silberionen nicht so unbedenklich sein kann, wie es von den Herstellern immer angepriesen wird. Die Frage, die mir nicht beantwortet werden konnte, war, wieso Silberionen dieZellen von Bakterien schädigen, aber meine Zellen davon ungefährdet bleiben sollten.

Ozon

Damit bleiben noch Ozon und UV-C Strahlung übrig. Einfacher und günstiger ist die Option Ozon. Ich habe mir zu diesem Zweck einen 12V Ozongenerator in Ebay (aus China) für 20€ gekauft. Außerdem habe ich, um das Thema Ozon näher zu beleuchten, noch einen 220V Ozongenerator in Amazon gekauft. (Lag auch daran, dass das Gerät aus China eine Lieferzeit von 6 Wochen hatte, ich aber nicht so lange warten wollte).

Beide Geräte funktionieren gleich: Eine Pumpe saugt Umgebungsluft an, pumpt diese durch eine Kammer in der mittels Hochspannung Luftsauerstoff O² teilweise in Ozon O³ umgewandelt (ionisiert) wird.

Anschließend kann das Luft-Ozon-Gemisch durch einen Schlauch in eine Flüssigkeit oder eben in den Wassertank meines Campers eingeleitet werden. Das hochreaktive Ozon zerstört Bakterien und soll sich relativ schnell wieder in unbedenklichen Sauerstoff umwandeln. Klingt nach der perfekten Lösung: Das Ganze wäre preisgünstig, stromsparend, einfach (ich bräuchte nur ein kleines Loch im Tank um den Schlauch mit dem Sprudelstein am Ende einzuführen) und wohl auch effektiv. Da der Tank verschlossen ist und auch einen Überlauf hat, würde überschüssiges Ozon einfach durch den Überlauf ins Freie entweichen. Also habe ich auf meinem Balkon in einen Wassertank Ozon eingeleitet um das Prinzip zu testen.

Das Ergebnis des Tests war, dass Aufgrund der hohen Reaktionsfreudigkeit des Ozons ein chlorähnlicher Geruch und Geschmack im Wasser entsteht, der nicht mit der Zeit (wie theoretisch das Ozon) verschwindet. Zudem vermute ich, dass sich das Ozon zwar teilweise wieder in Sauerstoff umwandelt, aber einiges davon mit dem Wasser oder Bestandteilen darin (Kalk…) reagiert und zusätzliche neue Stoffe erzeugt, die nicht geschmacks- oder geruchsneutral sind.

Auf Basis dieser Testergebnisse habe ich die Verwendung von Ozon für die Wasseraufbereitung in meinem Camper ausgeschlossen. Daher bleibt aus meiner Sicht nur noch UVC-Strahlung als Alternative zur Wasseraufbereitung übrig.

UV-C Strahlung

Es gibt einige Geräte auf dem Markt, die speziell für Wohnmobile konzipiert wurden. Die Preise sind allerdings aus meiner Sicht nicht zu rechtfertigen. Die günstigsten Geräte gehen bei 500€ los. Nach oben gibt es gefühlt keine Grenze. Daher habe ich es mir zur Aufgabe gemacht eine Günstige DIY Variante zu überlegen, die unter 100€ kostet.

Grundlegendes zur UV-C Sterilisation

Grundsätzlich gibt es 2 Möglichkeiten die UVC-Strahlung zu nutzen. Man kann einen UV-C Strahler direkt in den Tank einbauen und so den Tankinhalt bestrahlen oder, wie es einige der teuren Kauflösungen machen, einen UV-C Strahler in die Wasserleitung nach dem Tank einbauen. In diesem Fall strömt das Wasser kurz vor der Verwendung an dem UV-C Strahler vorbei und wird dabei sterilisiert. In diesem Verfahren sehe ich 2 Probleme:

– Der Tank wird nicht gereinigt, hier können sich Algen bilden, die dann die Pumpen verstopfen. Außerdem finde ich es komisch wenn ich im Tank eine Brutstätte für Bakterien habe und diese dann nur kurz vor der Verwendung unschädlich mache.

– Die UV-C Strahler brauchen bauartbedingt (meistens Leuchtstoffröhren) ein paar Sekunden, bis sie ihre maximale Strahlleistung entfalten. Das Wasser, dass am Anfang vorbeiströmt wird demnach nicht wirklich gereinigt.

Ich entscheide mich daher für einen UVC-Strahler im Tank. Das Problem hierbei ist, dass natürlich nur das Wasser im Nahbereich der Lampe gereinigt wird. Ich erhoffe mir, dass durch die leichte Erwärmung der Lampe eine Zirkulation entsteht, die genug Durchmischung erzeugt um mit der Zeit den gesamten Tankinhalt zu reinigen. Sollte das nicht der Fall sein, werde ich wahrscheinlich noch eine Pumpe nachrüsten, die den Tank immer mal wieder „umrührt“. Ich möchte in meinen Tank ein Tauchrohr einbauen, in dem ein UVC Strahler untergebracht ist. Im Folgenden erkläre ich die einzelnen Komponenten:

UV-C Strahler

UV-C Strahler sind Leuchtstoffröhren, die kurzwelliges Licht im Bereich um 365 nm emittieren, welches das Erbgut von Zellen (Bakterien, und Menschen) schädigt. Solche Lampen gibt es auf dem Markt sehr günstig, da sie auch im Bereich der Aquaristik zum Reinigen von Aquarien in UV-C Klären verwendet werden. Leider haben alle einen 220V Anschluss. Da mein UV-C Sterilisator auch stromsparend sein soll, macht es keinen Sinn einen Wechselrichter für 220V Spannung dazwischen zu schalten. Sobald ich nach 12V Versionen suche, lande ich bei den sehr teuren Produkten die ich in der Einleitung bereits erwähnt habe. Es gibt aber bei unterschiedlichen Herstellern eine 12V Leuchtstofflampe fürs Auto, die relativ energieeffizient ist.  (C2-76 Mono Leuchtstoffröhre 12 V (L x B x H) 410 x 65 x 35 mm Schalter). Diese Lampen können auch mit einer UV-C Leuchtstoffröhre betrieben werden.

Das Tauchrohr

Das Tauchrohr muss eigentlich nur lang genug sein und es MUSS aus Quarzglas sein, da dieses Glas für UV-C Strahlung durchlässig ist. Es gibt hier online einige Hersteller, die zu günstigen Preisen Quarzglasröhren in allen Abmessungen verkaufen. Da es dort aber oft einen Mindermengenaufschlag gibt, habe ich etwas teurer ein Ersatzglas für einen Teichklärer (Ersatzglas Teichklärer Eco 36W) gekauft. Das ist lang genug für meine UV-C Röhre (leider etwas zu dick, aber damit kann ich leben).

Elektronik

Damit die UV-C Röhre nicht durchgehend leuchtet, habe ich noch eine Zeitschaltuhr vorgeschaltet, die mit 12V arbeitet. Die Uhr hat außerdem eine Batterie, um nicht immer die Zeiten neu programmieren zu müssen, wenn ich mal den Hauptschalter umlege.

Sonstiges

Um das Tauchrohr ordentlich in den Tank zu verschrauben, habe ich noch eine Tankdurchführung gekauft.
Und zuletzt ein Kunststoffgehäuse, um die Elektronik ordentlich verstauen zu können.

Zusätzlich braucht man noch einen lebensmittelechten Klebstoff um das Tauchrohr in die Tankdurchführung zu kleben. Sowie Kabel um das ganze anzuschließen.

Kosten

Summe: 73€

Zusammenbau der Komponenten

Die Zeitschaltuhr und die Elektronik für die Leuchtstoffröhre habe ich im Gehäuse verstaut (wenn man Platz hat, kann man ruhig ein etwas größeres Gehäuse nehmen, da es bei mir schon sehr knapp war).

Das Tauchrohr habe ich in die Tankdurchführung geklebt (mit lebensmittelechtem Klebstoff) und anschließend die Leuchtstoffröhre darin platziert. Diese ist an beiden Seiten mit einer Lüsterklemme angeschlossen. Damit die Röhre im Glas nicht verrutscht, habe ich sie oben und unten mit einem Schaumstoffsockel verklemmt.

Einbau im Tank

Mit einer Lochsäge habe ich ein entsprechend großes Loch oben in den Tank geschnitten und die Tankdurchführung darin verschraubt. Oben, weil hier eine mögliche Undichtigkeit das kleinste Problem darstellen würde. Der Tank unseres Vans (Westfalia Columbus) ist nicht Rechteckig. Nur an der dem Innenraum zugewandten Seite kann das Rohr in den Tank eingebaut werden. Über dem Tank sind die Schalter für die Lichtsteuerung. Dahinter finde ich sogar noch einen unbenutzten Stecker, an dem ich 12V abgreifen kann. Sonst könnte man den Strom aber auch an einem der Lichtschalter abgreifen. Das Kabel lässt sich relativ einfach mit einer Einziehspirale hinter den Lichtschaltern in den Kasten mit dem Wassertank führen.

Fazit

Zum Preis von 73€ kann man sich relativ einfach einen UV-C-Tank-Sterilisator bauen. Sobald ich mehr Erfahrungen damit gesammelt habe, teile ich sie mit euch.

5 Comments

  • Mike Fritsch sagt:

    Hi,
    Ich habe für das UV eine Lampe mit angeschlossener Pumpe aus dem Aquarienbedarf verwendet, die im Tank hängt. Da wird mit der Zeit alles Wasser aus dem Tank umgewälzt und es tritt auch keine UV Strahlung aus, die ggf die Tankwände schödigen könnte.
    Kostet unter 50€. Braucht allerdings einen Wechselrichter, da reicht aber kleinste Grösse.

    • Matthias Harzheim sagt:

      Ich wollte eben keinen Wechselrichter verwenden, da dieser auch im Ruhemodus Strom braucht. Die Umwälzung funktioniert auch dadurch, dass sich die Lampe leicht erwärmt und damit eine Strömung im Wasser entsteht.

  • Axel sagt:

    Hi Matthias, sehr cooles Projekt. Ich habe mich noch nie mit dem Thema befasst finde es aber interessant (vor allem, da andere Lösungen so teuer sind). Hast Du mittlerweile Erfahrungen gesammelt? Ich habe mich noch nicht mit anderen Lösungen befasst aber es drängt sich natürlich auch der Gedanke auf, ob das Ganze überhaupt etwas bewirkt oder man nur fest dran glauben muss ;-).
    Kann man das irgendwie messen oder kannst Du nach Sichtung der anderen Lösungen sagen, dass Dein Ansatz einfach sehr ähnlich ist und Du Dir daher sicher bist, dass es wirkt.
    1) Wie sieht es mit dem Energieverbrauch aus? Auf einem Foto sieht man am Messgerät 0.71. Ist das mA und somit bei 12 V ca. 8,5 W zusammen?
    2) „Die Zeitschaltuhr und die Elektronik für die Leuchtstoffröhre …“ Damit meinst Du die Elektronik der Zeitschaltuhr und nicht noch etwas zusätzliches für die Leuchtstoffröhre, richtig?
    3) Hast Du den Tank zum Bohren der Lampendurchführung ausgebaut? Könnte mir vorstellen, dass sonst Bohrspähne in den Tank fallen.

    • Matthias Harzheim sagt:

      Hallo Entschuldige die späte Antwort!

      1) 0,71A braucht die Lampe wenn sie an ist. Das ist aber sehr selten der Fall (ca 2min/Stunde, also ca. 1 Stunde/Tag, also 0,71Ah/ Tag)
      2) Die Leuchtstoffröhre benötigt eine eigene Elektronik um zu leuchten (diese ist in der 12V Lampe die auf der Einkaufsliste steht aber enthalten)
      3) Ich hatte den Tank beim Bohren komplett trocken, dann habe ich ihn ausgesaugt und anschließend nochmal gespült.

      Bis jetzt bin ich damit sehr zufrieden!

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